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Restrukturieren bevor es zu spät ist

Change Management

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In der Corona-Krise werden viele Unternehmen künstlich am Leben gehalten. Die Zombies der Wirtschaft wandeln unter uns. Die Beamtungsgeräte sind die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis nunmehr Ende 2020, die Zahlung von Kurzarbeitergeld bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, Stundungen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen und umfangreiche KfW-Kredite. Wenn Sie zu den betroffenen Unternehmen gehören, sollten Sie besser direkt jetzt mit der grundlegenden Veränderung Ihres Unternehmens beginnen. Restrukturierung und Change Management gehen Hand in Hand. Jede Restrukturierung erfordert nicht selten schnelle und harte Schnitte. Veränderungen sind daher selten in der Belegschaft beliebt. Lieb gewonnene Routinen und Besitzstände werden ungerne aufgegeben. Widerstände sind häufig die Folge. Sie resultieren primär aus Ängsten. Ihre Ursachen sind vielschichtig: mangelnde Information (nicht kennen), Qualifikation (nicht können), Motivation (nicht wollen) und Organisation (nicht dürfen).

Change Management – Stufen der Veränderung

Erfolgreiche Wandlungsprozesse laufen nach Expertenmeinung grob in drei Phasen ab: (1) auftauen (unfreeze), (2) verändern (change) und (3) einfrieren (freeze). Bei etwas genauerer Betrachtung sind es folgende Stufen, die auch bei digitalen Transformationen als roter Faden dienen:

  • Druck und Aufrüttelung: Betriebliche Veränderungen werden meist durch Krisen ausgelöst. Erst wenn existenzieller Druck im eigenen Tagesgeschäft spürbar ist, sind Führungskräfte und Mitarbeiter bereit, Wandlungsprozesse anzustoßen. Das spüren jetzt schon viele Unternehmen. Besonders getroffen hat es den Einzelhandel, das Gastgewerbe und die Tourismusbranche. Aber auch viele große und mittelständische Unternehmen klagen über Umsatzeinbrüche, da wichtige Auslandsmärkte weggebrochen sind. Hinzu kommt der Druck, notwendige Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Der richtige Zeitpunkt also für notwendige Veränderungsprozesse.
  • Intervention und Neuorientierung: Selbst wenn die Geschäfte gut laufen und der Druck nicht groß ist, sollten Sie das Bewusstein für notwendige Veränderungsprozesse schärfen. Die Chanchen und Risiken durch die umgreifende Digitalisierung müssen analysiert und quantifiziert werden. Und auch bei guter Geschäftslage muss buchstäblich „der Teufel an die Wand gemalt werden“, um das Bewusstsein für eine weitreichende digitale Transformation zu schaffen. Aufgabe von weitsichtiger Führung ist das frühzeitige „Auftauen“ der Belegschaft.
  • Diagnose und Erklärung: Der eigentliche Wandlungsprozess beginnt dann mit der Analyse des Status quo und dem Infragestellen von gewohnten Geschäftsmodellen, Abläufen und Verhaltensweisen. Entscheidend ist dabei, dass es keine Tabus gibt und dass alle zusammenarbeiten.
  • Neue Lösungen und Selbstverpflichtung: Anschließend werden mögliche Lösungen erarbeitet. Auch in dieser Phase ist gemeinschaftliche Arbeit wichtig, die gewährleistet, dass die Neuerungen von allen Beteiligten unterstützt werden. Externe Experten können dabei helfen, kreative digitale Lösungen zu finden und hemmende Blockaden und Betriebsblindheit abzubauen. Neue Methoden wie Design Thinking oder das Einbinden von Querdenkern sind hilfreich.
  • Experimentieren und Ergebnissuche: Neue Produkte, Services und Prozesse sollten Sie immer in überschaubaren, aber realen Pilotprojekten testen (Beta-Versionen). So können Sie Risiken minimieren, Fehler erkennen und frühzeitig nachjustieren. Außerdem haben kleine Erfolgsgeschichten auch eine Katalysatorwirkung und Motivationsfunktion für den internen Roll-out. Immer mehr Mittelständler beteiligen sich daher auch an kreativen Start-ups, die abseits des Tagesgeschäftes neue Wege beschreiten können.
  • Verstärkung und Akzeptanz: Zum Schluss setzen Sie die Veränderungen in allen relevanten Unternehmensbereichen um. Dieser Prozess sollte von einem laufenden Informationsaustausch über Verlauf und Resultate begleitet werden.

Um die Bereitschaft zur Veränderung und die positive Haltung gegenüber Neuem zu festigen, müssen Sie die gewollten Veränderungen auch selbst vorleben. Gehen Sie und Ihre Führungskollegen mit gutem Beispiel voran. Vorbilder ermutigen, motivieren und sensibilisieren für spätere Neuerungen.

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21.10.2020

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